06.11.2026

COP31 in Antalya: Verbände fordern verlässliche Klimafinanzierung und Vorreiter-Allianz für fossilen Ausstieg

Vor Beginn der 31. Weltklimakonferenz (COP31) im türkischen Antalya warnen Klima-Allianz Deutschland und VENRO die Bundesregierung davor, sich aus der globalen Verantwortung zurückzuziehen. Angesichts der anhaltenden fossilen Energiekrise und weltweit steigender Hungerzahlen fordern die beiden Verbände, mehr gegen die Ursachen und Folgen der Klimakrise zu tun. Nun gelte es für Deutschland, als Teil einer Vorreiter-Allianz den geordneten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas voranzutreiben, statt auf eine Einigung aller Staaten zu warten. Zudem müsse die Bundesregierung ihre Zusagen zur Klimafinanzierung einhalten und zu Hause die eigenen Klimaschutzlücken schließen, um auf internationaler Bühne handlungsfähig und glaubwürdig zu bleiben.

Viviane Raddatz, Geschäftsführerin Netzwerk und Gesellschaft der Klima-Allianz Deutschland, erklärt: „Der Krieg im Iran führt uns vor Augen, wie verwundbar uns die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen macht. Jedes Jahr zahlt Deutschland im Schnitt 80 Milliarden Euro für fossile Importe, in Krisenzeiten sogar bis zu 100 Milliarden. Umso wichtiger ist, dass die diesjährige Klimakonferenz konkrete Schritte für den beschleunigten Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas, den Ausbau der Erneuerbaren und die Elektrifizierung einleitet. In Antalya hat die Bundesregierung die Chance, mit einer Allianz von Vorreiter-Staaten den geordneten Ausstieg voranzubringen und mit einer neuen Klimafinanzierungszusage das Vertrauen einkommensschwacher Länder zurückzugewinnen. Doch die Glaubwürdigkeit Deutschlands in der internationalen Klimapolitik entscheidet sich auch zu Hause. Jetzt kommt es darauf an, teure fossile Energien durch langfristig günstigere, strombasierte Lösungen zu ersetzen. Die aktuellen Pläne zum Netzpaket und zur EEG-Novelle drohen jedoch, die Energiewende auszubremsen. Hier ist der Bundestag jetzt gefordert, substanziell nachzubessern."

Asja Hanano, Vorstandsmitglied bei VENRO, erläutert: „Die Klimakrise verschärft die weltweite Hungersituation dramatisch. Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfälle zerstören Lebensgrundlagen und verstärken Armut und Ernährungsunsicherheit. Die Zahl der Menschen, die von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen sind, hat sich seit 2016 verdoppelt. Besonders hart trifft es diejenigen, die am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben. Angesichts dieser Entwicklung darf sich die Bundesregierung auf der COP31 nicht mit unverbindlichen Absichtserklärungen zufriedengeben. Deutschland muss gemeinsam mit internationalen Partner_innen konkrete Maßnahmen auf den Weg bringen, um die drohende Hunger- und humanitäre Krise abzuwenden. Gleichzeitig brauchen wir einen verbindlichen Fahrplan, um die internationale Anpassungsfinanzierung bis 2035 zu verdreifachen. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Mittel tatsächlich bei den besonders gefährdeten Menschen ankommen – gerade auch in fragilen und konfliktbetroffenen Regionen. Klimaanpassung muss Ernährungssicherheit stärken, etwa durch widerstandsfähige Agrar- und Ernährungssysteme. Wer angesichts der eskalierenden Klimakrise bei Entwicklungszusammenarbeit und Klimafinanzierung kürzt, verschlimmert die Krisen von morgen, statt ihnen heute entgegenzuwirken.“

Hintergrund: 
Die 31. Weltklimakonferenz (COP31) findet vom 9. bis 20. November 2026 in Antalya statt. Erstmals teilen sich mit der Türkei und Australien zwei Staaten die Präsidentschaft. Im Mittelpunkt stehen unter anderem konkrete Fortschritte beim fossilen Ausstieg, bei der Elektrifizierung und bei der Finanzierung von Anpassungsmaßnahmen.

Zu diesen und weiteren Themen legen die Klima-Allianz Deutschland und VENRO in ihrem gemeinsamen Papier „Allianzen für eine gerechte und sichere Zukunft“ Forderungen an die Bundesregierung vor.
Außerhalb der UN-Verhandlungen haben sich Staaten zusammengetan, die den Ausstieg aus fossilen Energien schneller voranbringen wollen. Zur ersten Konferenz dazu im kolumbianischen Santa Marta kamen 57 Länder und die EU, die zweite richten Tuvalu und Irland 2027 aus. 

Rückhalt für einen schnelleren Umstieg gibt es auch in der Bevölkerung. In einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag der Klima-Allianz Deutschland sehen 97 Prozent der Befragten Deutschland bei Öl und Gas stark von Importen abhängig. Drei Viertel (75 Prozent) sind der Meinung, Deutschland sollte den Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigen, um unabhängiger von Öl- und Gasimporten zu werden. Befragt wurden 1.002 Personen vom 29. September bis 1. Oktober 2026.
 

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