Diversität und Antidiskriminierung
Vielfalt prägt Gesellschaften weltweit. Doch nicht alle Menschen haben die gleichen Möglichkeiten, ihre Rechte wahrzunehmen und an politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben. Internationale Zusammenarbeit muss daher Diskriminierung und Ausgrenzung konsequent entgegentreten und dazu beitragen, gerechtere Strukturen und echte Teilhabe für alle zu schaffen. Diversität als Konzept bedeutet, die Potentiale der Verschiedenheit zu erkennen und zu nutzen. Ziel von Diversität ist es, strukturelle Diskriminierungen aufzuspüren und abzubauen.
In Zeiten, in denen Menschenrechte und Solidarität zunehmend unter Druck geraten und offen in Frage gestellt werden, wollen wir als Verband unser Verständnis eines respektvollen, inklusiven und diskriminierungskritischen Miteinanders konsequent in unserem Handeln verankern.
Daher setzt sich VENRO für Vielfalt und Diversität im Verband und in den Mitgliedsorganisationen ein. In der Strategie 2023-2028 hat sich VENRO zum Ziel gesetzt, Rassismus und kolonial geprägte Machtverhältnisse durch ein postkoloniales Verständnis zu überwinden. Dort ist festgehalten:
VENRO setzt sich dafür ein, Rassismus und kolonial geprägte Machtverhältnisse durch ein postkoloniales Verständnis in der entwicklungspolitischen und humanitären Arbeit zu überwinden.
Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe sind historisch von Kolonialismus und Rassismus geprägt. VENRO fördert eine machtkritische Auseinandersetzung mit den Themen Rassismus, Kolonialismus und dem traditionellen Entwicklungsbegriff. Der Verband verstärkt den Diskurs zum Post-Kolonialismus gemeinsam mit Partner_innen aus dem Globalen Süden und trägt damit zu einer De-Kolonialisierung der globalen Zusammenarbeit von NRO bei. VENRO entwickelt Maßnahmen zur Überwindung struktureller Ungleichheiten, fördert Diversität im Verband und setzt sich gegenüber staatlichen Akteuren dafür ein.
VENRO orientiert sich in seiner Arbeit am Menschenrechtsansatz. Menschenrechte gelten für alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, Alter, Behinderung, sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität, Religion, Herkunft oder sozialem Status. Diskriminierung liegt vor, wenn Menschen aufgrund solcher tatsächlichen oder zugeschriebenen Merkmale benachteiligt, ausgeschlossen oder in ihren Rechten eingeschränkt werden. Häufig wirken mehrere Diskriminierungsformen zusammen, interagieren oder verstärken sich gegenseitig. Um diese komplexen Diskriminierungsdynamiken sichtbar zu machen und zu überwinden, vertritt VENRO ein intersektionales Verständnis von Antidiskriminierung und Diversität.
Zentrale Standards des Verbands
VENRO hat in den letzten Jahren verschiedene Schritte unternommen, um den Einfluss gesellschaftlicher Diskriminierungsstrukturen abzubauen und mehr Diversität zu schaffen. Die folgenden Standards wurden festgelegt:
- Die VENRO-Mitglieder verpflichten sich in drei VENRO-Kodizes zu den Prinzipien und Standards in den Bereichen Transparenz, Organisationsführung und Kontrolle, Entwicklungsbezogene Öffentlichkeitsarbeitsowie Kinderrechte.
- Die VENRO-Mitglieder haben Aspekte aus dem Themenbereich Diversität in die Leitlinien für entwicklungspolitische Projekt- und Programmarbeit aufgenommen. Die VENRO-Handreichung zu inklusiver Projektarbeit vertiefen diese mit Blick auf die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Sie beschreiben das Qualitätsverständnis von entwicklungspolitischen Auslandsprojekten unserer Mitglieder.
- Für den VENRO-Vorstand gilt eine Genderquote von 40 Prozent. Dies ist im Jahr 2016 durch die Mitgliederversammlung in der Satzung festgelegt worden.
Im Geschäftsstellenteam
VENRO ist im Prozess, die eigenen Arbeitsstrukturen mit einem diskriminierungskritischen Blick anzuschauen, diverse Maßnahmen für eine diskriminierungsarme Organisation mit mehr Diversität umzusetzen sowie weiterzuentwickeln:
- VENRO hat eine Beratungs- und Beschwerdestelle für Anti-Diskriminierung eingerichtet, die derzeit von jeweils einem externen und einem internen Team besetzt ist, um allen Teammitgliedern und Mandatstragenden die Möglichkeit von Meldungen und Beratungsangeboten direkt und zeitnah anzubieten.
- Mehreren Team-Weiterbildungen zu Themen rund um Anti-diskriminierung tragen zur Sensibilisierung im Team bei.
- VENRO nimmt beim Projekt „Die Inklusive Organisation der Zukunft“ teil, bei dem Veränderungsprozessen hin zu mehr Geschlechtergerechtigkeit und Diversität erarbeitet werden. Das Projekt läuft von 2024-2027 und wird von FairShare und emcra Co-shaping Europe umgesetzt.
- VENRO hat das FairShare Commitment unterzeichnet. Damit verpflichten wir uns, bis 2030 die Geschlechterverteilung unserer Belegschaft in unseren Führungsgremien abzubilden und dort einen Frauenanteil von mindestens 50 Prozent zu erreichen.
- Wir nehmen jährlich am FairShare Monitor teil. In 2025 erreichte VENRO einen Indexwert von 13,8 und liegt damit im von FairShare gewünschten Bereich für eine angemessene Repräsentation von Frauen in Führung.
- Bei Bewerbungsverfahren für offene Stellen in der Geschäftsstelle bemüht sich VENRO insbesondere Personen mit Diskriminierungserfahrungen anzusprechen, die Ausschreibungen auf relevanten Verteilern zu platzieren und unseren Weg in Richtung diskriminierungskritische Organisation klar darzustellen.
- Im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen wir unsere Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle bei Beeinträchtigungen oder in besonderen (familiären) Situationen. Diversität entspricht unserem Selbstverständnis als Arbeitgeber.
- Unser Büro ist barrierearm zugänglich und hat eine barrierearme Toilette.
Kommunikation und Veranstaltungen
- Für relevante Veranstaltungen sorgen wir durch Awareness Konzepte und ausgewiesene Awarenessteams bzw. Zuständige für einen möglichst sicheren Raum für Austausch und Zusammenarbeit.
- VENRO gestaltet seine Veranstaltungen weitgehend barrierefrei. Dazu zählen die Abfrage des Unterstützungsbedarfs im Rahmen der Einladung sowie Mindeststandards für Tagungsorte.
- Sicherheitskonzepte für Onlineveranstaltungen ermöglichen etwaige diskriminierende Störungen zu verhindern bzw. sehr schnell zu unterbinden.
- Bei Besetzungen von Panels und bei der Vergabe von sichtbaren Rollen im Rahmen von VENRO-Veranstaltungen wird auf die Gender-Balance geachtet.
- VENRO gestaltet seine Publikationen weitgehend barrierefrei. Wir richten uns dabei nach dem PDF/UA-Standard.
- VENRO nutzt in der Kommunikation eine gendergerechte Sprache, u.A. unter Anwendung des Gender_Gap (Unterstrich).
Service
- VENRO bietet Fortbildungen zu den Themen Inklusion, Kindesschutz, Shifting Power/Dekolonialen Ansätzen, Transformativer Projektarbeit, feministischer Ansätze, Diversitätsorientierte Führung, Jugendpartizipation, Schutz vor sexuellem Missbrauch und Ausbeutung und weiteren relevanten Themen an.
- Auf VENROs E-Learning Seite stehen diverse Aufzeichnungen unserer praxisorientierten Weiterbildungs-Veranstaltungen zum Thema Diversität zur Verfügung.
Austausch
Die VENRO-Mitglieder tauschen sich über geeignete Maßnahmen aus, um das Bewusstsein für Diversität, Inklusion und das Überwinden von Diskriminierungen zu stärken. Dieser Austausch findet insbesondere in den Arbeitsgruppen Gender, Kinderrechte sowie Behinderung statt. Im Rahmen der Arbeit zu Geschlechtergerechtigkeit des Verbands vertreten wir ein intersektionales Verständnis und setzen uns auch für den Schutz der Rechte von LSBTIQ+ Personen und Communities ein.