Humanitäre Hilfe
Weltweit sind Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Kriege, gewaltsame Konflikte, Verfolgung, Klimakrisen und Naturkatastrophen – oft miteinander verschränkt – drängen immer mehr Menschen in existenzielle Notlagen. Viele dieser Krisen sind keine kurzfristigen Ausnahmesituationen mehr, sondern langanhaltende Dauerkrisen, die ganze Regionen destabilisieren und Millionen Menschen zur Flucht zwingen.
Humanitäre Hilfe orientiert sich an den Grundprinzipien der Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität und Unabhängigkeit und soll allein auf Grundlage humanitärer Bedarfe geleistet werden – unabhängig von politischen Interessen, strategischen Erwägungen oder medialer Aufmerksamkeit. In der Praxis klafft jedoch eine wachsende Lücke zwischen diesem Anspruch und den politischen, finanziellen und operativen Realitäten.
Diese Kluft verschärft sich durch strukturelle Unterfinanzierung. Seit Jahren nimmt die Diskrepanz zwischen globalem humanitärem Bedarf und bereitgestellten finanziellen Mitteln zu. 2025 haben sich die USA, bislang größter Geber, weitgehend zurückgezogen. Deutschland hat seine Mittel im Vergleich zu 2024 um über 50 Prozent gekürzt, und auch andere traditionelle Geber haben ihr Engagement deutlich reduziert. Gleichzeitig tragen lokale und nationale Akteur_innen tragen zwar einen wachsenden Teil der humanitären Arbeit, erhalten aber weiterhin nur einen Bruchteil direkter Finanzierung und haben wenig Einfluss auf strategische Entscheidungen.
Parallel dazu geraten die humanitären Prinzipien und das humanitäre Völkerrecht zunehmend unter Druck. Internationale Normen werden offen infrage gestellt oder selektiv angewendet, Verstöße gegen das Völkerrecht werden kaum geahndet und der Schutz der Zivilbevölkerung und humanitärer Helfer_innen wird systematisch missachtet.
Vor diesem Hintergrund steigt der Reformdruck auf das internationale humanitäre System. Die mit dem Grand Bargain 2016 angestoßenen Reformen wurden im Rahmen des von OCHA ausgerufenen Humanitarian Reset an vielen Stellen aufgegriffen. Ziel ist ein effektiveres, lokal geführtes humanitäres System, in dessen Zentrum die von Krisen betroffenen Menschen stehen.
Bei VENRO bearbeiten zwei Arbeitsgruppen jeweils unterschiedliche humanitäre Bereiche: die Arbeitsgruppe Humanitäre Grundsatzfragen und die Arbeitsgruppe Förderbedingungen in der Humanitären Hilfe. Zudem hat VENRO gemeinsam mit dem Auswärtigen Amt den Vorsitz des Koordinierungsausschusses für Humanitäre Hilfe inne und ist Mitglied der LOCALliance.
Weitere Informationen zu den VENRO-Arbeitsgruppen finden Sie hier:
AG Förderbedingungen in der humanitären Hilfe
LOCALliance: NROs für eine gerechte humanitäre Hilfe
Die LOCALliance ist eine Partnerschaft von fünf nationalen NRO-Netzwerken: CCONAT aus der Demokratischen Republik Kongo, VENRO aus Deutschland, Coordination Sud aus Frankreich, Localization Initiative aus dem Jemen und National Humanitarian Network aus Pakistan. Gemeinsam setzen wir uns für eine nachhaltige humanitäre Hilfe ein, die maßgeblich vor Ort durch lokale und nationale Akteur_innen gesteuert und umgesetzt wird.
Weitere Informationen zur LOCALliance finden Sie hier.
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