Launch des NRO-Reports „Courage for Democracy”
Wie kann Demokratie gestärkt werden, wenn autoritäre Kräfte an Einfluss gewinnen, Menschenrechte unter Druck geraten und zivilgesellschaftliche Räume schrumpfen? Antworten auf diese Frage liefert unser neuer NRO-Report „Courage for Democracy“. Beim Launch in Berlin und online diskutierten rund 130 deutsche und internationale Gäste über die zentrale Rolle von Nichtregierungsorganisationen bei der Verteidigung demokratischer Freiheiten.
„Ohne eine lebendige Zivilgesellschaft gibt es keine lebendige Demokratie“, unterstrich Anica Heinlein, VENRO-Vorstandsvorsitzende, zur Eröffnung der Veranstaltung am 2. November. „Der Report macht deutlich, dass Demokratie weit mehr ist als Wahlen und Institutionen.“ Sie lebe von Gleichberechtigung, gesellschaftlicher Teilhabe, Rechtsstaatlichkeit und dem Engagement von Menschen vor Ort.
Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan zeichnete in ihrer Keynote ein deutliches Bild der aktuellen Lage. Demokratie stehe weltweit unter Druck durch autoritäre Regierungen, Desinformation und die Einschränkung zivilgesellschaftlicher Freiräume. 73 Prozent der Weltbevölkerung lebten inzwischen in Ländern mit eingeschränkten oder geschlossenen zivilgesellschaftlichen Räumen. Gleichzeitig machte die Ministerin deutlich, warum die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen gerade jetzt unverzichtbar ist, und würdigte das Engagement von Menschenrechtsverteidiger_innen und zivilgesellschaftlichen Initiativen weltweit. „Wir sehen euch, wir erkennen an, was ihr leistet, und wir stehen an eurer Seite im Einsatz für Demokratie.“
Von Argentinien bis Deutschland: Demokratie lebt von engagierten Menschen
Im Zentrum der Veranstaltung standen die Erfahrungen von zivilgesellschaftlichen Akteur_innen, die sich in ihren Ländern für Demokratie und Teilhabe einsetzen. Paula Litvachky von der Menschenrechtsorganisation Centro de Estudios Legales y Sociales (CELS) berichtete von zunehmendem Druck auf kritische Stimmen in Argentinien, von Einschüchterungen und der Kriminalisierung von Protesten. „Das Wichtigste ist es, zu verstehen, dass wir noch kämpfen können.“ Eine zentrale Lehre ihrer Organisation sei es, sich nicht von den täglichen Provokationen autoritärer Akteur_innen treiben zu lassen, sondern eigene Themen zu setzen und auf die konkreten Sorgen der Menschen einzugehen.
Auch Klaas Friemel Janowsky vom Eine Welt Netz NRW zeigte, wie Demokratiearbeit im Alltag gelingen kann. Sein Projekt bringt Menschen außerhalb der üblichen entwicklungspolitischen Blasen ins Gespräch, etwa mit künstlerischen Aktionen, Straßentheater und Dialogformaten auf öffentlichen Plätzen. Demokratie beginne oft im Kleinen: in Nachbarschaften, im direkten Austausch und im gemeinsamen Engagement für gesellschaftlichen Zusammenhalt, erklärte er.
Erzsébet Lajos, Referetin im Bereich Stärkung der Zivilgesellschaft bei VENRO, führte durch die Veranstaltung.
Was wir voneinander lernen können
Ein wiederkehrendes Thema der Diskussion war die Frage, was Akteur_innen in Deutschland von Organisationen in autokratisch regierten Ländern lernen können. Dabei wurde deutlich: Internationale Zusammenarbeit ist keine Einbahnstraße. Erfahrungen im Umgang mit autoritären Tendenzen, Desinformation und der Verteidigung von Menschenrechten bieten wichtige Impulse auch für die Demokratien in Europa.
Zum Abschluss der Veranstaltung betonte Åsa Månsson, Geschäftsführerin von VENRO, dass der Report „Courage for Democray“ genau diesen Erfahrungsaustausch fördere. Die darin vorgestellten Beispiele zeigten, dass Demokratie nicht nur an Wahltagen verteidigt werde. Zivilgesellschaft spiele täglich eine entscheidende Rolle dabei, Menschen zu mobilisieren, Teilhabe zu ermöglichen und demokratische Werte lebendig zu halten.
Jetzt den Report lesen
Der Report „Courage for Democracy“ versammelt Praxisbeispiele von VENRO-Mitgliedsorganisationen und ihren Partnerorganisationen aus verschiedenen Regionen der Welt. Die Beiträge zeigen, wie Menschen demokratische Freiräume verteidigen, Teilhabe ermöglichen und autoritären Entwicklungen entgegentreten. Sie machen Mut in einer Zeit, in der demokratische Errungenschaften vielerorts unter Druck geraten.
Fotos: Anne Barth