12.01.2026

Pressestatement zum Reformvorhaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Am heutigen Montag, 12. Januar 2026, stellte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sein Reformvorhaben für die Entwicklungszusammenarbeit vor. VENRO kommentiert das Vorhaben wie folgt:

Wir begrüßen, dass das Ministerium in seiner heute vorgestellten neuen Strategie die Bedeutung der Zivilgesellschaft und eine enge Partnerschaft mit zivilgesellschaftlichen Akteur_innen für eine effektive Entwicklungszusammenarbeit betont. Wichtig ist auch, dass das Engagement in den am wenigsten entwickelten Ländern des Globalen Südens gestärkt und moderne Instrumente wie die Lokalisierung der Entwicklungszusammenarbeit dabei noch stärker gefördert werden sollen. Es ist ein gutes Signal, dass der große Reformbedarf hin zu dekolonialen und feministischen Ansätzen in der Entwicklungszusammenarbeit erkannt wurde.

Mit der neuen Strategie droht die deutsche Entwicklungszusammenarbeit allerdings zu einem geopolitischen und wirtschaftlichen Instrument zu werden. So zielt der verstärkte Fokus auf wirtschaftliche Zusammenarbeit, den das BMZ bereits im Oktober 2025 in einem Aktionsplan erörtert hatte, kaum auf das Ziel einer nachhaltigen globalen Entwicklung ab, sondern scheint vornehmlich nationale Wirtschaftsinteressen zu betonen. Die Entwicklungszusammenarbeit darf nicht zu einem Förderinstrument dieser Interessen werden, sondern muss weiterhin in erster Linie auf den Abbau globaler Ungerechtigkeiten abzielen.

Auch den verstärkten Fokus auf die Förderung von Frieden und Stabilität vor allem in der europäischen Nachbarschaft sehen wir kritisch. Die Schaffung von Frieden und Stabilität sind in der Tat zentrale Anliegen. Sie müssen jedoch als globale Aufgabe der internationalen Zusammenarbeit verstanden und nicht als geopolitisches Instrument zur Förderung nationaler Interessen instrumentalisiert werden. Hier werden wir das Ministerium immer wieder an seine globale Verantwortung erinnern.

Als Dachverband hätten wir uns ein deutlicheres Signal für den eigenständigen Wert der Entwicklungszusammenarbeit als strategisches Mittel im Einsatz für globale Gerechtigkeit, nachhaltige Entwicklung und universelle Menschenrechte gewünscht.

 

Weitere Informationen  zum Reformvorhaben finden Sie auf der Website des Ministeriums: https://www.bmz.de/de/ministerium/grundsaetze-ziele/zukunft-zusammen-global-gestalten-282480 

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