19.08.2025

Welttag der humanitären Hilfe: „Wer Helfer_innen zu Kollateralschäden macht, übt Verrat an der Menschlichkeit“

Am heutigen Welttag der humanitären Hilfe kritisiert VENRO, Dachverband der Organisationen der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit, die immer weiter zunehmende humanitäre Not und ein nationales und internationales politisches Versagen, darauf angemessen zu reagieren. Der humanitäre Bedarf steigt, die Finanzierungslücken werden größer und Helfer_innen selbst werden immer öfter bei ihrer Arbeit verwundet oder getötet.

Die globale humanitäre Lage ist dramatisch: Die Zahl der auf humanitäre Hilfe angewiesenen Menschen stieg im vergangenen Jahr auf rund 300 Millionen weltweit – eine Verdopplung seit 2019. Weit mehr als 100 Millionen Menschen sind auf der Flucht.

Zugleich plant die Bundesregierung, die staatlichen Mittel für humanitäre Hilfe im Haushalt 2025 und 2026 im Vergleich zu 2024 um mehr als 50 Prozent auf nur noch eine Milliarde Euro zu kürzen. Nach der Zerschlagung von USAID klaffen so zukünftig noch größere Finanzierungslücken im humanitären System. „Zwischen Ampel und großer Koalition ist für uns kein Unterschied feststellbar“, resümiert Kayu Orellana, Vorstandsmitglied bei VENRO. „Wir bekommen Bekenntnisse zur humanitären Hilfe von nahezu allen politischen Farben, nur die realen Ergebnisse lassen auf sich warten.” 

Keine Partei fühle sich zuständig und verteidige den etablierten Konsens, dass die humanitäre Hilfe ein Ausdruck der Softpower Deutschlands sein könne. „Wenn Deutschland die internationale humanitäre Hilfe bedeutsam mitgestalten will, dann war die Gelegenheit nie günstiger." Dringend benötigte Reformvorhaben wie eine stärkere Lokalisierung humanitärer Hilfe kommen zugleich politisch zu langsam voran.

Der heute veröffentlichte, jährlich erscheinende Aid Worker Security Report zeigt zudem, dass immer mehr Helfer_innen bei ihrer Arbeit getötet werden. Im vergangenen Jahr waren es 383 Menschen, ein erneuter Anstieg auf einen erschütternden Rekord. In diesem Jahr sind es bis dato bereits 265 Helfer_innen, die getötet wurden. Hier müsse dringend gegengesteuert werden, sagt Orellana. „Konfliktparteien, die Helfer_innen zum Kollateralschaden oder sogar Ziel ihrer Kampfhandlungen machen, üben Verrat an der Menschlichkeit.“

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